Die versprochene Zukunft
Das ikonische Bild des 20. Jahrhunderts: fliegende Autos schweben elegant zwischen Wolkenkratzern, Werbetafeln werben für Urlaubsreisen zu Marskolonien, Menschen in silbernen Anzügen blicken in eine strahlende Zukunft. Diese Vision war keine Randerscheinung, sondern der Mainstream des technologischen Optimismus. Von den Weltausstellungen der 1930er Jahre über die Science Fiction der 1950er bis zu den Zukunftsvisionen der 1970er Jahre war man sich einig: Das Jahr 2025 würde eine völlig andere Welt sein.
Wir schreiben jetzt 2026. Die fliegenden Autos sind nicht gekommen. Die Marskolonien existieren nicht. Die U-Bahnen, mit denen wir zur Arbeit fahren, stammen aus dem 19. Jahrhundert, wie Peter Thiel einmal bemerkte, während wir auf unseren Smartphones Bilder von Katzen verschicken. Das ist keine Übertreibung, sondern eine nüchterne Bestandsaufnahme.
Die Frage, die sich aufdrängt, ist nicht, warum einzelne Technologien gescheitert sind. Die Frage ist grundlegender: Warum haben wir aufgehört, wirklich Neues zu denken?
Die Antwort, die das Center for Applied Complexity & Intelligence vorschlägt, ist unbequem, aber notwendig. Wir haben nicht aufgehört zu arbeiten. Wir haben nicht aufgehört zu optimieren. Wir haben nicht aufgehört, Geld in Forschung und Entwicklung zu stecken. Was wir aufgehört haben, ist, die grundlegenden Architekturen zu hinterfragen, auf denen unsere Technologien, unsere Organisationen und unsere Gesellschaften aufgebaut sind. Stattdessen haben wir Optimierung mit Fortschritt verwechselt.
Die Illusion des Fortschritts
Auf den ersten Blick scheint die Diagnose der Stagnation absurd. Wir haben Smartphones mit mehr Rechenleistung als die Apollo-Missionen. Wir haben künstliche Intelligenz, die Texte schreibt und Bilder generiert. Jeden Tag erscheinen neue Produkte, neue Apps, neue Dienste. Wie kann man da von Stillstand sprechen?
Die Antwort liegt in der Unterscheidung zwischen zwei fundamental verschiedenen Arten von Veränderung. Die erste ist die Optimierung innerhalb eines bestehenden Paradigmas — man nimmt eine existierende Architektur und macht sie schneller, kleiner, billiger, effizienter. Die zweite ist der Paradigmenwechsel, die Einführung einer grundlegend neuen Architektur, die alte Probleme auf völlig neue Weise löst. Das 20. Jahrhundert war reich an Paradigmenwechseln. Das 21. Jahrhundert bisher nicht.